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Startups – Global Player aus Deutschland ermöglichen

Innovationen sind ein wichtiger Faktor für die Volkswirtschaft und den Wettbewerb - Startups in der heutigen Zeit der Motor für innovative Ideen und Geschäftsmodelle. Die wertvollsten Unternehmen unserer Zeit sind allesamt Startups aus dem Silicon Valley oder Asien, die zu riesigen Konzernen angewachsen sind und den Wert von hiesigen, alteingesessen Unternehmen in den Schatten stellen. Um international mitzuhalten, müssen die Rahmenbedingungen für die Gründung eines Unternehmens und dessen späteres Wachstum in Deutschland weiter optimiert werden.

Patrick Hansen

Patrick Hansen

Referent Startups
Bitkom e.V.

Status Quo

  • In Sachen Innovationsfähigkeit und Ideenreichtum steht Deutschland Gründernationen wie den USA oder Israel in nichts nach – insbesondere Berlin wird zunehmend in einem Atemzug mit anderen Startup-Metropolen wie San Francisco, Tel Aviv oder London genannt.
  • Bislang haben es aber wenige deutsche Startups geschafft, zu einem „Global Player“ heranzuwachsen, auch die Anzahl der sogenannten „Unicorns“, also Startups mit einer Milliarden-Bewertung, ist noch überschaubar. Um ein solches Wachstum zu stemmen, fehlt es in Deutschland und in ganz Europa an Wagniskapital, das Finanzierungsrunden in ausreichend großer Höhe erlaubt. Viele Einzelmaßnahmen, die im Rahmen der Digitalen Agenda 2013 angekündigt wurden, hat die Bundesregierung während der letzten Legislaturperiode umgesetzt. Versprechen wie ein umfassendes Venture Capital Gesetz wurden nicht eingelöst.
  • Die Verkündung der Deutschen Börse im November 2016, ein neues Börsensegment für Startups einzurichten, soll den Zugang zum Kapitalmarkt für junge Wachstumsunternehmen im Technologiesektor erleichtern.
  • Der Bundestag verabschiedete im November 2016 rückwirkend zum 1. Januar 2016 die Neuregelung zur steuerlichen Verlustverrechnung. Künftig bleiben nicht genutzte Verlustvorträge trotz eines qualifizierten Anteilseignerwechsels insbesondere für junge, innovative Wachstumsunternehmen erhalten, wenn diese ihren Geschäftsbetrieb unverändert fortsetzen. Inwieweit sich daraus für Startups tatsächlich eine Chance ergibt, wird sich in der Auslegung der Finanzverwaltung sowie im Einzelfall entscheiden.
  • Der Fachkräftemangel stellt zunehmend eine Hürde für Startups da: Wie in der Gesamtwirtschaft fehlt es an qualifizierten Programmierern und IT-Fachkräften.
  • Zudem behindern nach wie vor zahlreiche deutsche Gesetze innovative Geschäftsmodelle – vom Personenbeförderungsgesetz bis hin zum Leistungsschutzrecht.

Ziele

  • Mehr Wagniskapital für Startups: Die deutsche Gründerszene hat sich etabliert – nun muss sich auch der Wagniskapitalmarkt in Deutschland so formieren, dass er dem Kapitalbedarf gerecht wird.
  • Mehr digitale Talente: Um den Fachkräftemangel in der Digitalwirtschaft zu begegnen, muss Informatik Teil der schulischen Bildung werden. Zudem muss es noch leichter und unbürokratischer werden, digitale Talente aus dem Ausland zu rekrutieren und einzustellen.
  • Gründergeist und Kultur des Scheiterns: Ein Großteil der jungen Deutschen zieht eine Festanstellung der Gründung eines eigenen Unternehmens vor. Gleichzeitig werden gescheiterte Unternehmungen in Deutschland allgemein kritischer gesehen als in vielen anderen Ländern. Um diese Kultur langfristig zu ändern, muss Unternehmertum als Teil des Bildungssystems in Schulen und Universitäten verankert werden.
  • Mehr Risikobereitschaft: Startups brauchen vor allem zahlende Kunden, um sich am Markt etablieren zu können. Staat und Wirtschaft sollten in Zukunft bereit sein, verstärkt auch Aufträge an vielversprechende Startups zu vergeben. Allen Bekundungen zum Trotz ist das öffentliche Auftragswesen bisher nicht in der Lage, zu einem attraktiven Geschäftsfeld für diese Unternehmen zu werden, u.a. wegen unverhältnismäßig hoher Eignungsanforderungen.
  • Ökosysteme weiter fördern: Das Silicon Valley ist deswegen so erfolgreich, weil es ein fruchtbares Ökosystem aus etablierten Konzernen, Startups, Universitäten und Forschungszentren bietet. Es gilt, ähnliche Ökosysteme, wie z. B. die Digital Hubs, weiter zu stärken.

Politische Vorschläge

  • Startups als Kunden der öffentlichen Hand: Innovative Unternehmen, insbesondere Startups benötigen einen besseren Zugang zum Markt für öffentliche Aufträge. Der Staat muss bei den Eignungsanforderungen weg von einer vollständigen Risikoeleminierung hin zu einem angemessenen Risikomanagement. Derzeit setzen öffentliche Auftraggeber bei den Eignungsanforderungen an die Unternehmen aber nach wie vor auf bodenständige Werte wie langjährige Erfahrung, hohe Umsätze und Mitarbeiterzahlen. Dabei wird übersehen, dass klassische Bewertungsstrukturen in der digitalisierten Welt überholt sind.
  • Bedingungen für Wagniskapital optimieren: Um den Anschluss an andere europäische Länder nicht zu verlieren, müssen weitere Anstrengungen unternommen werden, die Rahmenbedingungen für Wagniskapital in Deutschland zu verbessern. Bis heute ist der Kapitalzugang für Unternehmen, die neue Märkte erschließen und schnell wachsen wollen, in Deutschland schwierig aufgrund mangelnder Anschlussfinanzierungen in der Wachstumsphase. Zum einen müssen die Rahmenbedingungen für Startups weiter optimiert werden, z.B. durch die volle Erhaltung von Verlustvorträgen bei Beteiligungswechsel, auch wenn ein Startup sein Geschäftsmodell an veränderte Marktbedingungen anpassen muss. Zudem sollte die schon lange diskutierte steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung nun endlich eingeführt werden. Weiterhin müssen Anreize für die Beteiligung institutioneller Anleger an Startups geschaffen werden, z.B. in Form von Steuerfreiheit für Veräußerungsgewinne und Gewinnbeteiligungen aus Kapitalgesellschaftsanteilen nach § 8b KStG.
  • Online-Services für Gründer und Unternehmen: Verwaltungsdienstleistungen für Bürger und Unternehmen müssen konsequent digitalisiert werden. Bürokratische Hürden und Regularien müssen abgebaut werden mit dem Ziel, Unternehmensgründungen und die Kommunikation mit Behörden schnell und unkompliziert online zu vollziehen.
  • Fachkräfte ausbilden und mobilisieren: Das Fach Informatik in der Sekundarstufe I muss flächendeckend eingeführt werden um schon früh Begeisterung für technische Themen zu wecken und Deutschland zu einer Tech-Elite zu verhelfen. Darüber hinaus muss das Zuwanderungsgesetz angepasst werden, um Programmierer und IT-Spezialisten aus dem außereuropäischen Ausland in Deutschland leichter beschäftigen zu können.
  • Unternehmertum lehren: Um langfristig mehr Menschen für eine Unternehmensgründung zu begeistern, muss das Thema Einzug in Lehrpläne halten. In der Schule braucht es einen stärkeren wirtschaftlichen Bezug, z.B. auch durch die Präsenz von Gründern im Unterricht. In Universitäten sollte es ein fachübergreifendes Modul Entrepreneurship geben, um Ergebnisse aus der Spitzenforschung häufiger in funktionierende Geschäftsmodelle zu übersetzen. Hochschulen sollten weiter Gründungs- und Innovationszentren betreiben sowie Urlaubssemester für Gründungen zulassen.

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