23.01.2017Gigabitgesellschaft – Infrastruktur für das digitale Zeitalter schaffen

Deutschland steht vor der Aufgabe, eine im weltweiten Maßstab wettbewerbsfähige digitale Basisinfrastruktur als Voraussetzung für zukünftige Wachstumschancen in einer zunehmend vernetzten und digitalen Wirtschaft zu schaffen. Als Standort für Industrie und die digitale Wirtschaft und darauf basierenden Anwendungen für fast alle anderen Wirtschaftszweige ist Deutschland auf zukunftsfähige Telekommunikationsinfrastrukturen angewiesen, die bedarfsgerecht Datenübertragungsraten auch bis in den Gigabitbereich ermöglichen. Die Zukunftsfähigkeit Deutschlands erfordert die flächendeckende Verfügbarkeit von Gigabit-Infrastrukturen bis 2025. In den konvergenten Netzen von Mobilfunk und Festnetz werden Netze der 5. Generation (5G), glasfaserbasierte Netze (u.a. HFC-Netze, FTTx), sowie entsprechend leistungsfähige Anschlüsse, Elemente dieses „Gigabit-Technologiemixes“ sein. An diesem Infrastrukturziel muss sich eine neue Digitalstrategie für Deutschland orientieren. Diese muss Investitionsanreize für den Ausbau von Gigabitnetzen setzen und auf die Sicherung eines fairen Wettbewerbs gerichtet sein.

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Nick Kriegeskotte

Bereichsleiter Telekommunikationspolitik Bitkom e.V.

Status Quo

Mit der fortschreitenden Digitalisierung nahezu aller Wirtschafts- und Lebensbereiche steigen die Anforderungen an die Netze von Tag zu Tag.

  • Treiber des Bedarfs sind aktuell insbesondere Video-Anwendungen in hoher Auflösung, aber auch Virtual Reality, die die Nachfrage nach Hochleistungsanschlüssen steigern.
  • Insgesamt ist Deutschland beim Breitbandausbau auf einem guten Weg: Auf Festnetz-Internetverbindungen mit 16 Mbit/Sekunde können bereits 85 Prozent der deutschen Haushalte zugreifen. Über 50 Mbit/Sekunde können fast 69 Prozent der Privathaushalte verfügen. Im Mobilfunk steht LTE für 94 Prozent der Haushalte bereit. Das von der Bundesregierung ausgegebene Ziel – 50 Mbit/Sekunde bis 2018 – rückt damit in greifbare Nähe.
  • Hierzu haben alle Akteure in den letzten Jahren entscheidende Beiträge geleistet:
  • Die Bundesregierung hat mit der schnellen Vergabe weiterer Mobilfunkfrequenzen im vergangenen Jahr, wie auch mit dem aufgelegten Breitbandförderprogramm, wichtige Weichen gestellt. Die im vergangenen Jahr ver-steigerten Mobilfunkfrequenzen, sowie die Mittel aus dem Breitbandförderprogramm werden vor allem dafür eingesetzt, ländliche Räume mit schnellem Internet zu versorgen.
  • Die Netzbetreiber haben seit dem Jahr 2000 mehr als 110 Milliarden Euro für den Netzausbau investiert und in-vestieren auch in diesem und in den nächsten Jahren jährlich etwa 8 Mrd. Euro in den weiteren Netzausbau.
  • Die Netzbetreiber arbeiten schon heute daran, den Glasfaserausbau im ländlichen Raum weiter voranzutreiben, etwa durch die Anbindung von Mobilfunk-Basisstationen, VDSL-DSLAMs und Kabelnetz-Verstärkerpunkten, so-wie FTTH/B-Anschlüssen.
  • Im ländlichen Raum sind die wirtschaftlichen Herausforderungen beim Breitbandausbau besonders groß, weswe-gen hier im Vergleich zu den Ballungsräumen noch deutlich mehr weiße Flecken zu finden sind. 50 Mbit/Sekunde sind erst in etwa 30 Prozent der ländlichen Regionen verfügbar.

Ziele

Die Zukunftsfähigkeit Deutschlands erfordert die flächendeckende Verfügbarkeit von Gigabit-Infrastrukturen und ein Zusammenwachsen von Festnetz und Mobilfunk.

  • Gigabit-Technologiemix: Konvergente Netze der 5. Generation (5G), glasfaserbasierte Netze (u.a. HFC-Netze, FTTx), sowie vergleichbar leistungsfähige Anschlüsse, werden Elemente dieses „Gigabit-Technologiemixes“ sein. Um dies zu realisieren, sind weitere Anstrengungen – sowohl von den Unternehmen als auch von der Politik – erforderlich.
  • Glasfasernetze bis 2025: Für eine flächendeckende Implementierung von 5G und eine zukunftssichere Telekommunikationsinfrastruktur ist langfristig bzw. bis 2025 ein möglichst stark verdichtetes, bis zu den Haushalten, Unternehmen, Produktionsstädten sowie zukünftigen 5G-Mobilfunkstandorten („Standortverdichtung“) weit ausgerolltes Glasfasernetz erforderlich, welches die Potenziale bestehender Infrastrukturen mit einbezieht.
  • 5G als Basis der Gigabit-Gesellschaft: 5G wird deutlich geringere Reaktionszeiten sowie Bandbreiten bis in den Gigabitbereich ermöglichen – also bis zu 10 Mal schnellere Übertragungsgeschwindigkeiten als heute üblich. Fer-ner wird 5G mittels einer nach Anwendungsfall konfigurierbaren Netzarchitektur („Slicing“) eine universal ver-wendbare Technologie für sämtliche mobilen Anwendungsfälle sein.

Politische Vorschläge

Mit Blick auf die Gigabit-Gesellschaft müssen wir unsere Ziele über 2018 hinaus weiter entwickeln und den Weg in die Gigabit-Gesellschaft mit einer neuen Gigabitstrategie bis 2025 definieren. Hierzu ist insbesondere das Engage-ment der Unternehmen erforderlich, aber die Politik muss die richtigen Rahmenbedingungen setzen.

  • Maximales privatwirtschaftliches Engagement generieren: Es muss so viel privatwirtschaftliches Engagement wie möglich generiert und incentiviert werden, sowie eine Entwertung bereits getätigter Investitionen verhindert wer-den.
  • Öffentliche Fördermittel für ländlichen Raum bereitstellen: Um flächendeckend schnelle Internetverbindungen im ländlichen Raum sicherzustellen, ist aber auch die öffentliche Hand dort gefragt, wo ein wirtschaftlicher Ausbau perspektivisch nicht machbar ist. Insoweit begrüßt Bitkom das Vorhaben, auch für die Zeit nach 2018 öffentliche Mittel für die Förderung des Ausbaus von Gigabitnetzen in unterversorgten Gebieten zur Verfügung zu stellen.
  • Frequenzen bereitstellen: Essenziell für 5G als eine zentrale Technologie der Gigabit-Gesellschaft ist eine voraus-schauende und europaweit koordinierte Frequenzstrategie sowie perspektivisch die Zuweisung weiterer Frequen-zen. Von besonderer Bedeutung sind hier die Erweiterung des 1.500 MHz Bandes sowie der Bereich 3,4-3,8 GHz zur Bereitstellung großer Kanalbandbreiten sowie die Identifizierung von Spektrum im sogenannten Millimeter-Bereich (oberhalb 20 GHz). Es sollte zudem geprüft werden, wie eine Förderung der Anbindung von Mobilfunk-standorten mit Glasfaser wettbewerbsneutral erfolgen kann, um den Roll-Out von 5G zu beschleunigen.
  • Diskriminierungsfreien Wettbewerb ermöglichen und regulatorische Hürden senken: Die anstehende Überarbei-tung des europäischen Rechtsrahmens muss dazu genutzt werden einen diskriminierungsfreien Wettbewerb zwi-schen klassischen Telekommunikationsanbietern und funktionsgleichen Online Service Providern/OTTs zu errei-chen, sowie neue innovative Online-Dienste durch einen innovationsoffenen Rechtsrahmen zu fördern. Dies sollte vor allem durch die Absenkung bestehender regulatorischer Hürden geschehen, welche zum Teil aus den Anfangs-jahren vertikal integrierter Telekommunikationsmärkte stammen. Wo eine Absenkung nicht möglich ist, muss ge-prüft werden, wie gleiche Regelungen für traditionelle Telekommunikationsdienste und funktionsgleiche internet-basierte Kommunikationsdienste geschaffen werden können.